1. Augenverletzungen

Verätzungen: Die Lider vorsichtig auseinanderspreizen und das betroffene Auge sofort für mindestens 10 bis 15 Minuten mit sanftem, fließendem Wasser (von innen nach außen) ausspülen. Danach beide Augen keimfrei abdecken, um Mitbewegungen des verletzten Auges zu verhindern.

Fremdkörper: Niemals versuchen, festsitzende Fremdkörper auf der Hornhaut oder im Augapfel selbst zu entfernen!

Maßnahme: Immer sofort einen Augenarzt aufsuchen oder den Notruf (112) wählen.

2. Bauchverletzungen

Den Verletzten in eine die Bauchdecke entspannende Position bringen: Oberkörper leicht erhöht lagern, die Knie anwinkeln und eine Knierolle (z. B. eine Decke oder ein Kissen) unterlegen.

Offene Wunden: Sichtbare Wunden keimfrei abdecken. Heraushängende Organe oder Gewebeteile auf keinen Fall berühren oder versuchen, sie zurück in den Bauchraum zu schieben.

Maßnahme: Sofort Notruf (112) absetzen. Den Patienten beruhigen und den Zustand kontinuierlich überwachen.

3. Blutungen

Kleinere Wunden: Keimfrei abdecken und Druck mittels Verband ausüben, bis die Blutung stoppt. Starke Blutungen: Den betroffenen Körperteil hochlagern und sofort einen Druckverband anlegen.

Nasenbluten: Den Kopf leicht nach vorne beugen (nicht nach hinten, sonst läuft Blut in die Atemwege!). Ein nasses, kaltes Tuch oder einen Eisbeutel in den Nacken legen.

Innere Blutungen: Sichtbar durch Bluthusten, Bluterbrechen oder teerartigen Stuhl. Hier besteht akute Lebensgefahr durch einen Schock.

Maßnahme: Bei starken oder inneren Blutungen unverzüglich den Rettungsdienst (112) rufen.

4. Brustkorbverletzungen

Verletzungen des Brustkorbs (z. B. Rippenbrüche) machen das Atmen oft extrem schmerzhaft. Zeigt der Betroffene zunehmende Atemnot („Lufthunger“) oder hustet er schaumiges Blut aus, liegt der Verdacht auf eine Verletzung der Lunge nahe.

Maßnahme: Den Patienten mit erhöhtem Oberkörper lagern (erleichtert das Atmen). Sofort den Notruf (112) veranlassen. Niemals einen Eigentransport durchführen.

5. Verletzungen durch elektrischen Strom

Eigenschutz geht vor! Vor der Berührung des Betroffenen zwingend die Stromzufuhr unterbrechen (Stecker ziehen oder Sicherung ausschalten). Bei Hochunfällen weiten Sicherheitsabstand einhalten.

Bei Atem- und Kreislaufstillstand sofort mit der Herzdruckmassage und Wiederbelebung beginnen.

Maßnahme: Da nach Stromunfällen noch Stunden später lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen auftreten können, ist eine klinische Überwachung mittels EKG zwingend notwendig. Immer Notruf (112) wählen.

6. Fremdkörper in den Atemwegen

In der Nase: Vorsichtig versuchen, durch Zuhalten des freien Nasenlochs und kräftiges Schneuzen den Gegenstand zu entfernen. Gelingt dies nicht, direkt zum Arzt (Gefahr des Einatmens).

In der Luftröhre (Verschlucken): Den Betroffenen auffordern, kräftig zu husten. Hilft dies nicht, den Oberkörper nach vorne neigen und bis zu 5 kräftige Schläge mit der flachen Hand zwischen die Schulterblätter geben. Bei Kleinkindern in Bauchlage auf dem eigenen Oberschenkel ablegen (Kopf nach unten zeigen lassen) und vorsichtig klopfen.

Maßnahme: Droht das Ersticken, sofort den Notruf (112) wählen und bei Erwachsenen ggf. das Heimlich-Manöver anwenden.

7. Verätzungen

Auf der Haut: Kontaminierte Kleidung sofort unter Eigenschutz entfernen. Betroffene Hautstellen unverzüglich mit reichlich fließendem Wasser ausgiebig spülen. Wunden danach keimfrei abdecken.

Innerliche Verätzungen (Verschlucken): Führt zu heftigen Schmerzen in Mund, Rachen und Magen sowie Lebensgefahr. Nur wenn der Betroffene voll bei Bewusstsein ist, sofort schluckweise klares Wasser zum Verdünnen trinken lassen.

Wichtig: Keinesfalls Erbrechen herbeiführen! Die ätzende Substanz würde beim Erbrechen die Speiseröhre ein zweites Mal verätzen und könnte in die Lunge geraten. Sofort Notruf (112) wählen.

8. Vergiftungen

Bei einer vermuteten Vergiftung durch Medikamente, Pflanzen, Haushaltschemikalien oder Pflanzenschutzmittel gilt als oberste Regel: Ruhe bewahren.

Wichtig: Niemals zum Erbrechen reizen! Rufe sofort die zuständige **Giftnotrufzentrale** oder bei schweren Symptomen (Atemnot, Bewusstlosigkeit) direkt den Rettungsdienst (112) an. Sichere eventuelle Giftreste, Erbrochenes oder Verpackungen für die Klinik.

9. Knochenbrüche, Verrenkungen, Verstauchungen

Erkennbar an starken Schmerzen, Fehlstellungen, Schwellungen oder Funktionsverlust. Offene Brüche: Die Wunde sofort keimfrei abdecken. Heraushängende Knochenteile niemals berühren oder hineindrücken.

Maßnahmen: Das betroffene Körperteil so wenig wie möglich bewegen und in der vorgefundenen Lage belassen. Ein vorsichtiges Kühlen (Packs in ein Tuch einschlagen, nicht direkt auf die Haut) lindert den Schmerz. Arme können bei Bedarf vorsichtig mit einem Dreieckstuch entlastet werden. Bei Verdacht auf Wirbel- oder Rückenverletzungen den Betroffenen absolut nicht bewegen, es sei denn, es besteht akute Gefahr (z.B. Brand).

Maßnahme: Bei Knochenbrüchen oder Gelenkluxationen den Notruf (112) wählen und den Patienten bis zum Eintreffen der Retter wärmen und betreuen.

10. Schädel-Hirn-Verletzungen

Schwere Kopfverletzungen sind äußerlich oft kaum sichtbar. Austritt von Blut oder wässriger Flüssigkeit aus Mund, Nase oder Ohren deutet dringend auf einen Schädelbasisbruch hin. Häufige Begleiterscheinungen sind Schwindel, Übelkeit und Erbrechen.

Maßnahme: Ist der Patient bewusstlos, aber atmet normal, sofort in die stabile Seitenlage bringen, damit Erbrochenes oder Blut abfließen kann. Bei Bewusstsein mit leicht erhöhtem Oberkörper lagern. Unverzüglich Notruf (112) absetzen.

11. Verbrennungen und Verbrühungen

Wichtige Neuerung: Eine Kühlung mit kaltem Wasser wird heute nur noch bei kleinflächigen Verbrennungen (z. B. verbrannter Finger) für maximal 1-2 Minuten empfohlen, um Schmerzen zu lindern.

Wichtig: Bei großflächigen Verbrennungen kein Wasser anwenden, da der Körper sonst extrem schnell auskühlt (Unterkühlungsgefahr!). Brandblasen niemals öffnen. Wunden mit einem sterilen Brandwunden-Verbandtuch ohne Druck locker abdecken. Sofort den Notruf (112) rufen.

12. Wunden und Wundversorgung

Jede offene Wunde muss zum Schutz vor Infektionen zügig mit einem sterilen Verband abgedeckt werden. In der Wunde festsitzende Fremdkörper (z. B. Splitter, Messer) dürfen niemals eigenmächtig herausgezogen werden, da sie die Wunde tamponieren und ein Herausziehen zu schweren Blutungen führen kann.

Maßnahme: Bei stark spritzenden oder fließenden Blutungen sofort einen Druckverband anlegen. Größere Wunden, tiefe Schnitte, Platzwunden sowie insbesondere Tierbiss- und Kratzwunden müssen immer zeitnah durch einen Arzt versorgt werden (Infektions- und Tetanusrisiko).