Verbraucherrecht: Schutz vor Kostenfallen, Abos und Verträgen

Mehr Fairness im Alltag: Das Gesetz für faire Verbraucherverträge

Der Gesetzgeber schützt Verbraucher in Deutschland intensiv vor Überrumpelung und Knebelverträgen. Durch die jüngsten Reformen im Verbraucherschutz wurden die Rechte bei Verträgen des täglichen Lebens (z. B. Fitnessstudio-Mitgliedschaften, Streaming-Abos oder Mobilfunkverträge) drastisch gestärkt. Unternehmen dürfen Kunden nach Ablauf der ersten Mindestlaufzeit nicht mehr langfristig binden.

Besonders wichtig im digitalen Zeitalter ist der gesetzlich vorgeschriebene Kündigungsbutton: Bietet ein Unternehmen den Abschluss eines Abonnements oder Vertrags über seine Webseite an, muss es zwingend auch eine leicht zugängliche Schaltfläche zur Online-Kündigung bereitstellen, ohne dass der Kunde sich mühsam einloggen oder per Brief kündigen muss.

Wichtige Verbraucherrechte und Vertragsklauseln

Vertragstyp / Situation Gesetzliche Frist Ihre Rechte als Verbraucher
Vertragsverlängerung
(nach Mindestlaufzeit)
Monatlich kündbar Nach Ablauf der Erstlaufzeit (z. B. 24 Monate beim Handyvertrag) verlängert sich der Vertrag nur noch auf unbestimmte Zeit. Verbraucher können ab diesem Zeitpunkt jederzeit mit einer Frist von maximal einem Monat kündigen. Eine automatische Verlängerung um ein weiteres Jahr ist illegal.
Haustürgeschäfte /
Verkauf auf der Straße
14 Tage Widerruf Wer an der Haustür, am Arbeitsplatz oder in der Fußgängerzone zu einem Vertragsabschluss gedrängt wird (außerhalb von Geschäftsräumen), kann diesen innerhalb von 14 Tagen ohne Angabe von Gründen schriftlich widerrufen. Die Frist beginnt erst nach ordnungsgemäßer Belehrung.
Kaffeefahrten
(Verkaufsreisen)
14 Tage Widerruf Auch bei Verträgen, die auf Ausflugsfahrten abgeschlossen werden, gilt das 14-tägige Widerrufsrecht. Zudem gilt hier ein weitreichendes Verbot für den Verkauf von Medizinprodukten und Nahrungsergänzungsmitteln, um den Schutz vor Überrumpelung zu maximieren.

Wichtige Gerichtsurteile zum Verbraucherschutz (mit Aktenzeichen)

Thema & Streitfall Gericht & Aktenzeichen Inhalt und Auswirkung des Urteils
Unerlaubte Telefonwerbung
(Cold Calling / Verträge)
BGH
Az. I ZR 222/19
Werbeberater dürfen Verbraucher nicht ohne vorherige Einwilligung anrufen. Am Telefon geschlossene Verträge über Strom- oder Gaslieferungen sind ohne nachträgliche Bestätigung in Textform (z. B. per E-Mail) komplett unwirksam.
Unzulässige Gebühren
(Kreditkarten/Zahlungen)
EuGH
Az. C-28/18
Händler dürfen im Online-Handel keine Extra-Gebühren für gängige und gesetzliche Zahlungsmittel (wie SEPA-Lastschrift, Visa- oder Mastercard) verlangen. Solche Aufschläge verstoßen gegen europäisches Recht.
Untergeschobene Abos
(Vorausgewählte Haken)
EuGH
Az. C-673/17
Vorausgewählte Kontrollkästchen (Opt-out-Haken) im Internet, mit denen Verbraucher beim Kauf ungewollt Zusatz-Abos, Versicherungen oder Newsletter abschließen, sind unzulässig. Ein Vertrag erfordert immer eine aktive Einwilligung (Opt-in).
Fitnessstudio-Beiträge
(Schließung im Lockdown)
BGH
Az. XII ZR 8/21
Musste ein Fitnessstudio wegen behördlicher Auflagen schließen, durften für diesen Zeitraum keine Beiträge eingezogen werden. Die Betreiber dürfen die Vertragslaufzeit auch nicht einfach einseitig um die Schließungsmonate verlängern.

Weitere offizielle Warnungen vor aktuellen Kostenfallen und unzulässigen Klauseln finden Verbraucher jederzeit auf den Portalen der Verbraucherzentralen.